Freitag, 26. Juli 2019
Gedanken
Vier Jahre... vor vier Jahren veröffentlichte ich hier den letzten Beitrag "Spiegelbild". Inspiriert von der Flüchtlingskrise und den fürchterlichen Ausschreitungen die zu der Zeit stattfanden.
Vier Jahre... Ist es tatsächlich schon so lange her? Oder müsste es heißen - Ist es erst so lange her?
Denn das Thema ist weiterhin aktuell.
Inzwischen hat sich der Fokus nur verschoben.

Wenn vor vier Jahren die Schlagzeilen beherrscht wurden von brennenden Flüchtlingsheimen und tätlichen Übergriffen, so sind es nun die Toten im Mittelmeer, die immer wieder in den sozialen Netzwerken, leider nicht mal mehr den Nachrichten, auftauchen.
Rettungsschiffe, die unter den seltsamsten Vorwänden am Auslaufen gehindert werden. Wegen bürokratischen Mängeln, die keine Auswirkung auf die Seetauglichkeit der Schiffe haben. Schiffe, die Leben retten sollen! Die Leben retten können! Leben retten müssen!

Ständig heißt es "Das Leben ist wertvoll. Es ist schützenswert. Wir müssen was tun."
Und doch ertrinken, vermutlich genau in diesem Moment wieder Menschen in den Tiefen des Ozeans.
Menschen, wie du und ich. Mit den gleichen Träumen und Hoffnungen. Mit Ängsten und Schmerzen, mit Familie und Freunden.
Sie wissen, wie gefährlich die Reise ist. Sie wissen, das die Wahrscheinlichkeit ihr Ziel nie zu erreichen hoch ist. Dennoch treten sie sie an. Nicht nur junge Männer, die körperlich, zumindest zu Beginn der Überfahrt, fit sind.
Frauen und Kinder jeden Alters sitzen in diesen völlig überfüllten Schlauchbooten und trotzden den Bedingungen auf offener See. Ausgestattet mit Schwimmwesten, die teilweise gar keine Hilfe, sonderlich gefährlicher Balast sind, da sie mit Papier und sonstigem Müll gefüllt sind.

Wenn dann doch ein Rettungsschiff ausläuft und die in Seenot geratenen Menschen findet - ein kleines Boot, ein kleiner Punkt im weiten Meer - sind sie noch immer nicht in Sicherheit.
Wochenlang werden sie an Bord festgehalten, die Retter nun ebenfalls kriminalisiert. Von Bord dürfen sie nur, wenn sie gesundheitlich so angeschlagen sind, dass sie als Notfall in eine Klinik müssen, da sie sonst sterben würden.

Hallo? Merkt ihr was? Es gibt Länder, die bereit sind, diese Menschen aufzunehmen. Nur sind diese nicht direkt von den Rettungsschiffen zu erreichen. Sie müssen! irgendwo anlegen.

Und da frage ich mich jeden Tag aufs neue: Wie können die Verantwortlichen noch in den Spiegel schauen? Wie kann man Menschen derart entmenschlichen, dass man nur noch irgendwelche Zahlen sieht? Schwarz auf weiß, aber egal wie hoch, nicht einmal die Geschichten, die Gesichter dahinter sehen möchte?

Ich kann es nicht verstehen....

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Sonntag, 30. August 2015
Spiegelbild
Es gibt wirklich Tage, da frage ich mich, wie manche Leute in den Spiegel sehen können, ohne sich zu schämen. Und ich meine nicht wegen seines Aussehens. Wegen seines Aussehens sollte sich sowieso niemand schämen müssen. Nein. Ich meine, sie sollten sich schämen wegen ihrer Taten.

Man kann heutzutage nicht einen einzigen Blick in die Zeitung werfen, ohne das man einen neuen Artikel über Ausschreitungen und Übergriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime sieht. In Sachsen ist es momentan besonders schlimm, dort bekamen in Heidenau nun sogar einige Rechtsextreme einen Platzverweis, als es zu erneuten Demonstrationen vor einem Notquartier für Flüchtlinge kam. Ausnahmsweise wurde mal niemand verletzt, aber dennoch herrscht momentan ein Versammlungsverbot "wegen eines "polizeilichen Notstands" "(Zitat: tagesschau.de Stand 29.08.2015).

Überlegt euch das einmal: Da kommen Menschen zu uns, die Hilfe benötigen. Niemand flieht einfach aus Jux und Dollerei aus seiner Heimat, mit manchmal nicht mehr dabei, als die Kleider, die sie gerade tragen. Und dann kommen ein paar Leute daher, die ständig Produkte kaufen und verwenden, die aus besagten Ländern kommen, aber die Menschen, nein, die wollen sie nicht hier haben. Bloß weg mit denen.
Was wäre, wenn wir die Flüchtlinge wären? Wenn es in Deutschland zu einer Situation käme, durch einen Bürgerkrieg oder Armut, in der es uns unmöglich wäre, hier zu bleiben, ohne jeden Tag mit der Angst zu leben, die Sonne morgen nicht mehr aufgehen sehen zu können, oder den Freund, Bruder, die Schwester oder sonst wen, den man am morgen noch gesehen hat, am Abend zu Grabe zu tragen?

Wir müssten aus unserer Heimat fliehen, angewiesen darauf, das man uns woanders hilft, weil wir sonst verhungern oder erfrieren. Möglicherweise sterben wir schon auf dem Weg übers Meer in kleinen, völlig überfüllten Booten mit hunderten anderen. Wir fühlen uns hilflos, hoffnungslos bis auf einen kleinen Schimmer am Horizont der das Ufer eines anderen Landes erleuchtet.
Mit letzter Kraft kommen wir an Land, von dort laufen wir viele, viele Kilometer, bis uns die Füße weh tun. Unsere Eltern und Geschwister mussten wir zurück lassen. Endlich erreichen wir die Aufnahmestelle. Endlich in Sicherheit, denken wir uns.
Aber weit gefehlt.

Statt der erhofften Sicherheit erwarten uns Angriffe von ignoranten, gewalttätigen Einwohnern, die nichts sehen können außer sich selbst. Sie kennen uns nicht. Kennen nicht unsere Geschichte unser Leid. Sie sehen nur, wir sind nicht von hier. Wir sind nicht von hier, deshalb sollen wir wieder verschwinden. Sie wollen keine Veränderung. Schon seit 1945 nicht. Sie verwenden essen Lebensmittel und tragen Kleidung, die in unserer Heimat hergestellt wurde. Ohne könnten sie sich ein Leben gar nicht vorstellen. Aber die Menschen, die von dort kommen??

"Ausländer raus", schreien sie dann. "Deutschland muss rein bleiben", "Verzieht euch ihr Fotzen". Auf weitere und teilweise noch viel extremere Ausrufe möchte ich hier gar nicht weiter eingehen.
Denn immerhin gibt es auch Menschen, die tatsächlich helfen. Die helfen und dafür ebenfalls angefeindet werden.

Ehrlich Leute, so kann das nicht weiter gehen. Ja natürlich, auch in Deutschland gibt es Armut. Auch den Obdachlosen, die bereits hier sind sollte geholfen werden, gar keine Frage. Aber letztendlich sind wir alle Menschen. In uns allen fließt das gleiche rote Blut, auch wenn es bei einigen eher ein dreckiges braun hat. Und auch wenn man sich von ihnen distanzieren möchte und sollte, auch sie sind Menschen. Wenn wir anfangen sie als "die anderen" zu betrachten, sind wir nicht besser als sie.
Besser als sie sind wir, wenn wir aufstehen und den Neuankömmlingen die Hand reichen.

#refugeesWelcome findet man immer häufiger im Netz. Das ist richtig, so sollte es sein. Denkt einmal darüber nach, was ihr erhoffen würdet, wenn ihr in ihrer Situation sein würdet, wie oben beschrieben. Und dann seht in den Spiegel. Seht eurem Spiegelbild in die Augen und fragt euch: Möchte ich so wirklich sein? Kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren?
Wenn die Antwort ja lautet, in Ordnung. Dann macht weiter so. Aber wenn euch auch nur die geringsten Zweifel kommen, sollte sich dringend etwas ändern.

Das hier soll keine Moralpredigt sein. Nur ein kleiner Denkanstoß, für alle die sich selbst noch nie wirklich auf ihr Spiegelbild geschaut haben. Denn so wie wir von anderen behandelt werden wollen, so sollten wir zuerst auch die anderen behandeln.
Vielen Dank fürs lesen.

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